Wie groß ist das Potenzial – und wann werden Klickpreise von über 100 Euro wirtschaftlich?
Die Analyse basiert auf 3.793 Suchbegriffen mit Suchvolumen, Wettbewerb, Gebotsspannen und Monatswerten für den Zeitraum 1. Juli 2025 bis 30. Juni 2026.
Google Ads gehört für Kanzleien zu den interessantesten, aber auch anspruchsvollsten Kanälen zur Mandantengewinnung. Der Grund dafür liegt in der besonderen Suchsituation: Wer nach einem „Anwalt für Arbeitsrecht“, „Strafverteidiger“ oder „Fachanwalt für Erbrecht“ sucht, hat häufig kein abstraktes Interesse an einem juristischen Thema. Hinter der Suchanfrage steht meist ein konkretes Problem, das zeitnah gelöst werden muss.
Genau diese hohe Abschlussnähe macht den Markt attraktiv. Gleichzeitig sorgt sie dafür, dass Kanzleien bei besonders lukrativen Mandaten mit spezialisierten Wettbewerbern, Legal-Tech-Anbietern, Rechtsschutzversicherern und überregionalen Kanzleimarken um die besten Anzeigenpositionen konkurrieren.
Die Keywordanalyse zeigt allerdings auch: Klickpreise von mehr als 100 Euro sind real, aber keineswegs der Normalfall. Der größte Teil des wirtschaftlich relevanten Suchmarktes bewegt sich deutlich darunter. Entscheidend ist deshalb nicht, möglichst billig einzukaufen, sondern Suchanfragen nach Mandatswert, Abschlusswahrscheinlichkeit und fachlicher Passung zu priorisieren.
1. Nachfrage nach Rechtsgebieten
Für den Vergleich der Rechtsgebiete wurden kommerziell ausgerichtete Suchbegriffe zusammengefasst. Das ausgewiesene Brutto-Keywordvolumen enthält ähnliche Formulierungen und darf deshalb nicht als Zahl eindeutiger Nutzer interpretiert werden. Es zeigt jedoch sehr deutlich, in welchen Rechtsgebieten besonders viele Suchvarianten und Mandatsanfragen vorhanden sind.
| Rechtsgebiet | Brutto-Keywordvolumen | Gewichteter oberer Gebotswert | Marktcharakter |
|---|---|---|---|
| Familienrecht und Scheidung | 198.540 | 5,80 € | Sehr großes Volumen, moderater CPC |
| Erbrecht | 79.530 | 7,86 € | Hohe Nachfrage, gute Spezialisierung |
| Verkehrsrecht | 76.610 | 9,92 € | Hohe Dringlichkeit, starker Wettbewerb |
| Arbeitsrecht | 74.480 | 11,75 € | Große Nachfrage, besonders umkämpft |
| Strafrecht | 70.160 | 13,05 € | Hohe Abschlussnähe und Dringlichkeit |
| IT- und Datenschutzrecht | 10.090 | 9,52 € | Kleiner, spezialisierter B2B-/B2C-Markt |
| Steuerrecht | 5.880 | 50,34 € | Kleines Volumen, sehr hoher Mandatswert |
| Wirtschafts- und Steuerstrafrecht | 1.500 | 60,51 € | Extrem spezialisiert und hochpreisig |
Familienrecht: Der größte Nachfragebereich
Familienrecht und Scheidung bilden den mit Abstand größten Bereich des analysierten Keywordportfolios. Besonders stark sind Kombinationen aus dem Rechtsgebiet und einer eindeutigen Anwaltsintention.
Zu den größten Suchbegriffen gehören:
- „Anwalt für Familienrecht“: 14.800 Suchanfragen
- „Anwalt Familienrecht“: 12.100 Suchanfragen
- „Familienrecht Anwalt“: 12.100 Suchanfragen
- „Fachanwalt für Familienrecht“: 5.400 Suchanfragen
- „Scheidungsanwalt“: 4.400 Suchanfragen
Die hohe Anzahl ähnlicher Varianten zeigt, dass Nutzer nicht nach einer einheitlichen Formulierung suchen. Eine Kampagne, die nur ein oder zwei Hauptkeywords abdeckt, würde einen erheblichen Teil der Nachfrage nicht erreichen.
Mit einem gewichteten oberen Gebotswert von etwa 5,80 Euro ist das Familienrecht im Vergleich zu Arbeits-, Straf- oder Steuerrecht relativ günstig. Gleichzeitig sind die häufigsten Hauptbegriffe im Jahresvergleich teilweise um rund 18 Prozent zurückgegangen. Das bedeutet nicht, dass der Markt grundsätzlich schrumpft. Es zeigt vielmehr, dass die Nachfrage innerhalb des Themenbereichs stärker auf spezifische Unterthemen, lokale Suchen und qualitative Formulierungen verteilt wird.
Besonders auffällig sind Suchanfragen wie:
- „Bester Anwalt für Familienrecht“
- „Guter Anwalt für Familienrecht“
- „Familienrecht Anwalt in der Nähe“
- „Anwalt für Scheidung und Familienrecht“
Nutzer suchen damit nicht nur nach einer verfügbaren Kanzlei, sondern nach wahrgenommener Qualität, Spezialisierung und räumlicher Nähe.
Erbrecht: Stabiles Volumen mit attraktiver Wirtschaftlichkeit
Das Erbrecht verbindet ein relativ großes Suchvolumen mit moderaten Gebotsschätzungen. Besonders relevant sind:
- „Anwalt für Erbrecht“: 8.100 Suchanfragen
- „Fachanwalt für Erbrecht“: 5.400 Suchanfragen
- „Anwalt für Erbrecht in der Nähe“: 2.400 Suchanfragen
- „Fachanwalt für Erbrecht in der Nähe“: 1.000 Suchanfragen
Der Begriff „Fachanwalt für Erbrecht“ verzeichnet in der Analyse ein Wachstum von rund 50 Prozent im Jahresvergleich. „Fachanwalt für Erbrecht in der Nähe“ liegt sogar rund 171 Prozent über dem Vorjahreswert.
Diese Entwicklung deutet auf eine Verschiebung von allgemeinen Informationssuchen zu konkreteren Auswahl- und Beauftragungsanfragen hin. Für spezialisierte Kanzleien ist das Erbrecht deshalb besonders interessant: Die Klickpreise liegen unter denen des Arbeits- oder Strafrechts, während komplexe Erbauseinandersetzungen, Pflichtteilsansprüche und Unternehmensnachfolgen erhebliche Mandatswerte erreichen können.
Verkehrsrecht: Große Nachfrage und hohe Dringlichkeit
Das Verkehrsrecht erreicht ein Brutto-Keywordvolumen von rund 76.610 Suchanfragen. Typische Hauptkeywords sind:
- „Anwalt für Verkehrsrecht“: 8.100 Suchanfragen
- „Rechtsanwalt für Verkehrsrecht“: 5.400 Suchanfragen
- „Anwalt Verkehrsrecht“: 4.400 Suchanfragen
- „Verkehrsanwalt“: 1.300 Suchanfragen
Die oberen Gebotsschätzungen liegen bei den großen Hauptbegriffen meist zwischen zehn und zwölf Euro. Bei besonders dringlichen Unterthemen steigen sie erheblich an. „Anwalt für Bußgeld“ erreicht beispielsweise einen oberen Gebotswert von rund 33,40 Euro.
Das Verkehrsrecht ist stark ereignisgetrieben. Nach einem Unfall, einem drohenden Fahrverbot oder einem Bußgeldbescheid suchen Betroffene häufig unmittelbar nach Unterstützung. Reaktionsgeschwindigkeit, telefonische Erreichbarkeit und eine klare Aussage zum konkreten Falltyp sind deshalb wichtiger als eine allgemeine Darstellung der Kanzlei.
Arbeitsrecht: Einer der wettbewerbsintensivsten Volumenmärkte
Das Arbeitsrecht ist sowohl hinsichtlich des Suchvolumens als auch hinsichtlich der Gebote besonders relevant.
| Keyword | Suchanfragen/Monat | Wettbewerb | Gebotsspanne |
|---|---|---|---|
| anwalt für arbeitsrecht | 14.800 | Hoch | 3,32–12,22 € |
| arbeitsrecht anwalt | 8.100 | Hoch | 3,39–12,57 € |
| anwalt arbeitsrecht | 6.600 | Mittel | 3,82–12,78 € |
| rechtsanwalt arbeitsrecht | 6.600 | Mittel | 3,31–12,14 € |
Das generische Thema „Arbeitsrecht“ ist im Jahresvergleich um 124 Prozent und innerhalb von drei Monaten um 50 Prozent gewachsen. Bei der unmittelbar kommerziellen Suche „Anwalt für Arbeitsrecht“ zeigt sich dagegen ein stabiler Jahreswert und ein Wachstum von rund 22 Prozent innerhalb von drei Monaten.
Das ist ein wichtiger Unterschied: Nicht jede steigende Informationsnachfrage führt automatisch zu einer proportional steigenden Zahl von Mandatsanfragen. Dennoch vergrößert sich damit der Pool an Nutzern, die sich mit Kündigung, Abfindung, Arbeitsvertrag oder Aufhebungsvertrag beschäftigen.
Besonders wirtschaftlich sind Suchanfragen, bei denen der konkrete Konflikt bereits erkennbar ist:
- Kündigungsschutzklage
- Abfindung nach Kündigung
- Aufhebungsvertrag prüfen
- Betriebsbedingte Kündigung
- Fristlose Kündigung
- Kündigung in der Probezeit
Diese Begriffe haben teilweise weniger Suchvolumen als „Anwalt für Arbeitsrecht“, können aber eine höhere Abschlusswahrscheinlichkeit besitzen.
Strafrecht: Hohe Dringlichkeit und überdurchschnittliche Gebote
Im Strafrecht erreichen die zentralen Anwaltskeywords hohe Suchvolumen:
- „Anwalt für Strafrecht“: 9.900 Suchanfragen
- „Rechtsanwalt für Strafrecht“: 3.600 Suchanfragen
- „Strafverteidiger“: 3.600 Suchanfragen
- „Fachanwalt Strafrecht“: 880 Suchanfragen
Der gewichtete obere Gebotswert liegt mit rund 13,05 Euro über dem der großen anderen Rechtsgebiete. Einzelne Delikts- und Verfahrensbegriffe sind noch wesentlich teurer.
Die Suchintention ist häufig extrem dringend. Betroffene suchen nach einer Hausdurchsuchung, Vorladung, Festnahme, Anklage oder einem Strafbefehl nicht über mehrere Wochen nach allgemeinen Informationen. Sie benötigen kurzfristig eine konkrete Handlungsempfehlung.
Das Strafrecht eignet sich deshalb grundsätzlich gut für Google Ads. Gleichzeitig muss eine Kanzlei Anfragen sehr schnell qualifizieren. Nicht jeder Kontakt führt zu einem wirtschaftlich tragfähigen Mandat, und bei bestimmten Suchbegriffen können Beratungsbedarf und Zahlungsfähigkeit stark auseinanderliegen.
2. Die wichtigsten kommerziellen Keywords
| Keyword | Suchanfragen/Monat | Wettbewerb | Gebotsspanne |
|---|---|---|---|
| anwalt für arbeitsrecht | 14.800 | Hoch | 3,32–12,22 € |
| anwalt für familienrecht | 14.800 | Mittel | 1,12–5,70 € |
| anwalt familienrecht | 12.100 | Mittel | 1,27–6,39 € |
| anwalt für strafrecht | 9.900 | Mittel | 3,63–13,47 € |
| arbeitsrecht anwalt | 8.100 | Hoch | 3,39–12,57 € |
| anwalt für verkehrsrecht | 8.100 | Hoch | 2,53–10,31 € |
| anwalt für erbrecht | 8.100 | Mittel | 1,39–8,79 € |
| fachanwalt für erbrecht | 5.400 | Mittel | 1,03–6,29 € |
| scheidungsanwalt | 4.400 | Mittel | 1,87–6,58 € |
| strafverteidiger | 3.600 | Mittel | 3,43–12,13 € |
Die Tabelle macht zwei Dinge deutlich.
Erstens gibt es einen großen Kernmarkt mit monatlich mehreren Tausend Suchanfragen. Zweitens unterscheiden sich die Gebote trotz ähnlicher Suchvolumen erheblich. Eine Suche nach einem Familienrechtsanwalt kann weniger als halb so teuer sein wie eine vergleichbare Suche im Straf- oder Arbeitsrecht.
Für eine überregional tätige Kanzlei kann bereits die Kombination aus Fachgebiet und Anwaltsbegriff ein beträchtliches Reichweitenpotenzial bieten. Regional arbeitende Kanzleien müssen dieses bundesweite Volumen jedoch auf ihr tatsächliches Einzugsgebiet herunterbrechen.
3. Wie teuer sind Google Ads für Anwälte wirklich?
Die häufig zitierte Aussage, dass Anwaltskeywords grundsätzlich 50, 80 oder sogar mehr als 100 Euro pro Klick kosten, wird durch die Analyse nur teilweise bestätigt.
Über die bereinigten kommerziellen Keywords ergibt sich folgende Verteilung der oberen Gebotsschätzungen:
- Median: 6,72 Euro
- Volumengewichteter Durchschnitt: 9,09 Euro
- 75. Perzentil: 10,23 Euro
- 90. Perzentil: 13,69 Euro
- 95. Perzentil: 25,22 Euro
- Maximalwert: 149,98 Euro
Von 767 kommerziellen Keywords mit verfügbaren Gebotsdaten liegen:
- 214 bei mindestens 10 Euro,
- 71 bei mindestens 15 Euro,
- 54 bei mindestens 20 Euro,
- 21 bei mindestens 50 Euro,
- sechs bei mindestens 100 Euro.
Die extrem teuren Suchbegriffe repräsentieren zusammen lediglich rund 310 Brutto-Suchanfragen im Monat. Sie sind daher relevant, aber nicht repräsentativ für den gesamten Anwaltsmarkt.
Keywords mit Gebotsschätzungen von mehr als 100 Euro
| Keyword | Suchanfragen/Monat | Wettbewerb | Oberer Gebotswert |
|---|---|---|---|
| steuer fachanwalt | 20 | Hoch | 149,98 € |
| fachanwalt wirtschaftsstrafrecht | 40 | Mittel | 149,58 € |
| rechtsanwalt für wirtschaftsstrafrecht | 10 | Mittel | 102,26 € |
| anwalt 184b | 20 | Hoch | 101,27 € |
| strafbefreiende selbstanzeige steuerrecht | 30 | Mittel | 101,24 € |
| wirtschaftsstrafrecht kanzlei | 110 | Mittel | 100,94 € |
Dabei handelt es sich um die obere Spanne der vom Keyword Planner geschätzten Gebote für eine Platzierung im oberen Seitenbereich. Sie entspricht nicht automatisch dem tatsächlich zu zahlenden CPC.
Die Daten zeigen aber deutlich, wo besonders hohe wirtschaftliche Erwartungen bestehen: Steuerstrafrecht, Wirtschaftsstrafrecht, spezialisierte Strafverteidigung und bestimmte steuerrechtliche Mandate.
Ein Klickpreis von 100 Euro kann in einem Scheidungsmandat oder einer einfachen Verkehrsangelegenheit kaum tragfähig sein. Bei einer steuerlichen Selbstanzeige, einem umfangreichen Wirtschaftsstrafverfahren oder einem komplexen Unternehmensmandat kann derselbe Klickpreis dagegen wirtschaftlich vertretbar sein.

