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Marktanalyse: Google Ads für Anwälte und Anwaltskanzleien

Alex Sperber16 Min. Lesezeit
Marktanalyse: Google Ads für Anwälte und Anwaltskanzleien

Wie groß ist das Potenzial – und wann werden Klickpreise von über 100 Euro wirtschaftlich?

Die Analyse basiert auf 3.793 Suchbegriffen mit Suchvolumen, Wettbewerb, Gebotsspannen und Monatswerten für den Zeitraum 1. Juli 2025 bis 30. Juni 2026.

Google Ads gehört für Kanzleien zu den interessantesten, aber auch anspruchsvollsten Kanälen zur Mandantengewinnung. Der Grund dafür liegt in der besonderen Suchsituation: Wer nach einem „Anwalt für Arbeitsrecht“, „Strafverteidiger“ oder „Fachanwalt für Erbrecht“ sucht, hat häufig kein abstraktes Interesse an einem juristischen Thema. Hinter der Suchanfrage steht meist ein konkretes Problem, das zeitnah gelöst werden muss.

Genau diese hohe Abschlussnähe macht den Markt attraktiv. Gleichzeitig sorgt sie dafür, dass Kanzleien bei besonders lukrativen Mandaten mit spezialisierten Wettbewerbern, Legal-Tech-Anbietern, Rechtsschutzversicherern und überregionalen Kanzleimarken um die besten Anzeigenpositionen konkurrieren.

Die Keywordanalyse zeigt allerdings auch: Klickpreise von mehr als 100 Euro sind real, aber keineswegs der Normalfall. Der größte Teil des wirtschaftlich relevanten Suchmarktes bewegt sich deutlich darunter. Entscheidend ist deshalb nicht, möglichst billig einzukaufen, sondern Suchanfragen nach Mandatswert, Abschlusswahrscheinlichkeit und fachlicher Passung zu priorisieren.


1. Nachfrage nach Rechtsgebieten

Für den Vergleich der Rechtsgebiete wurden kommerziell ausgerichtete Suchbegriffe zusammengefasst. Das ausgewiesene Brutto-Keywordvolumen enthält ähnliche Formulierungen und darf deshalb nicht als Zahl eindeutiger Nutzer interpretiert werden. Es zeigt jedoch sehr deutlich, in welchen Rechtsgebieten besonders viele Suchvarianten und Mandatsanfragen vorhanden sind.

RechtsgebietBrutto-KeywordvolumenGewichteter oberer GebotswertMarktcharakter
Familienrecht und Scheidung198.5405,80 €Sehr großes Volumen, moderater CPC
Erbrecht79.5307,86 €Hohe Nachfrage, gute Spezialisierung
Verkehrsrecht76.6109,92 €Hohe Dringlichkeit, starker Wettbewerb
Arbeitsrecht74.48011,75 €Große Nachfrage, besonders umkämpft
Strafrecht70.16013,05 €Hohe Abschlussnähe und Dringlichkeit
IT- und Datenschutzrecht10.0909,52 €Kleiner, spezialisierter B2B-/B2C-Markt
Steuerrecht5.88050,34 €Kleines Volumen, sehr hoher Mandatswert
Wirtschafts- und Steuerstrafrecht1.50060,51 €Extrem spezialisiert und hochpreisig

Familienrecht: Der größte Nachfragebereich

Familienrecht und Scheidung bilden den mit Abstand größten Bereich des analysierten Keywordportfolios. Besonders stark sind Kombinationen aus dem Rechtsgebiet und einer eindeutigen Anwaltsintention.

Zu den größten Suchbegriffen gehören:

  • „Anwalt für Familienrecht“: 14.800 Suchanfragen
  • „Anwalt Familienrecht“: 12.100 Suchanfragen
  • „Familienrecht Anwalt“: 12.100 Suchanfragen
  • „Fachanwalt für Familienrecht“: 5.400 Suchanfragen
  • „Scheidungsanwalt“: 4.400 Suchanfragen

Die hohe Anzahl ähnlicher Varianten zeigt, dass Nutzer nicht nach einer einheitlichen Formulierung suchen. Eine Kampagne, die nur ein oder zwei Hauptkeywords abdeckt, würde einen erheblichen Teil der Nachfrage nicht erreichen.

Mit einem gewichteten oberen Gebotswert von etwa 5,80 Euro ist das Familienrecht im Vergleich zu Arbeits-, Straf- oder Steuerrecht relativ günstig. Gleichzeitig sind die häufigsten Hauptbegriffe im Jahresvergleich teilweise um rund 18 Prozent zurückgegangen. Das bedeutet nicht, dass der Markt grundsätzlich schrumpft. Es zeigt vielmehr, dass die Nachfrage innerhalb des Themenbereichs stärker auf spezifische Unterthemen, lokale Suchen und qualitative Formulierungen verteilt wird.

Besonders auffällig sind Suchanfragen wie:

  • „Bester Anwalt für Familienrecht“
  • „Guter Anwalt für Familienrecht“
  • „Familienrecht Anwalt in der Nähe“
  • „Anwalt für Scheidung und Familienrecht“

Nutzer suchen damit nicht nur nach einer verfügbaren Kanzlei, sondern nach wahrgenommener Qualität, Spezialisierung und räumlicher Nähe.

Erbrecht: Stabiles Volumen mit attraktiver Wirtschaftlichkeit

Das Erbrecht verbindet ein relativ großes Suchvolumen mit moderaten Gebotsschätzungen. Besonders relevant sind:

  • „Anwalt für Erbrecht“: 8.100 Suchanfragen
  • „Fachanwalt für Erbrecht“: 5.400 Suchanfragen
  • „Anwalt für Erbrecht in der Nähe“: 2.400 Suchanfragen
  • „Fachanwalt für Erbrecht in der Nähe“: 1.000 Suchanfragen

Der Begriff „Fachanwalt für Erbrecht“ verzeichnet in der Analyse ein Wachstum von rund 50 Prozent im Jahresvergleich. „Fachanwalt für Erbrecht in der Nähe“ liegt sogar rund 171 Prozent über dem Vorjahreswert.

Diese Entwicklung deutet auf eine Verschiebung von allgemeinen Informationssuchen zu konkreteren Auswahl- und Beauftragungsanfragen hin. Für spezialisierte Kanzleien ist das Erbrecht deshalb besonders interessant: Die Klickpreise liegen unter denen des Arbeits- oder Strafrechts, während komplexe Erbauseinandersetzungen, Pflichtteilsansprüche und Unternehmensnachfolgen erhebliche Mandatswerte erreichen können.

Verkehrsrecht: Große Nachfrage und hohe Dringlichkeit

Das Verkehrsrecht erreicht ein Brutto-Keywordvolumen von rund 76.610 Suchanfragen. Typische Hauptkeywords sind:

  • „Anwalt für Verkehrsrecht“: 8.100 Suchanfragen
  • „Rechtsanwalt für Verkehrsrecht“: 5.400 Suchanfragen
  • „Anwalt Verkehrsrecht“: 4.400 Suchanfragen
  • „Verkehrsanwalt“: 1.300 Suchanfragen

Die oberen Gebotsschätzungen liegen bei den großen Hauptbegriffen meist zwischen zehn und zwölf Euro. Bei besonders dringlichen Unterthemen steigen sie erheblich an. „Anwalt für Bußgeld“ erreicht beispielsweise einen oberen Gebotswert von rund 33,40 Euro.

Das Verkehrsrecht ist stark ereignisgetrieben. Nach einem Unfall, einem drohenden Fahrverbot oder einem Bußgeldbescheid suchen Betroffene häufig unmittelbar nach Unterstützung. Reaktionsgeschwindigkeit, telefonische Erreichbarkeit und eine klare Aussage zum konkreten Falltyp sind deshalb wichtiger als eine allgemeine Darstellung der Kanzlei.

Arbeitsrecht: Einer der wettbewerbsintensivsten Volumenmärkte

Das Arbeitsrecht ist sowohl hinsichtlich des Suchvolumens als auch hinsichtlich der Gebote besonders relevant.

KeywordSuchanfragen/MonatWettbewerbGebotsspanne
anwalt für arbeitsrecht14.800Hoch3,32–12,22 €
arbeitsrecht anwalt8.100Hoch3,39–12,57 €
anwalt arbeitsrecht6.600Mittel3,82–12,78 €
rechtsanwalt arbeitsrecht6.600Mittel3,31–12,14 €

Das generische Thema „Arbeitsrecht“ ist im Jahresvergleich um 124 Prozent und innerhalb von drei Monaten um 50 Prozent gewachsen. Bei der unmittelbar kommerziellen Suche „Anwalt für Arbeitsrecht“ zeigt sich dagegen ein stabiler Jahreswert und ein Wachstum von rund 22 Prozent innerhalb von drei Monaten.

Das ist ein wichtiger Unterschied: Nicht jede steigende Informationsnachfrage führt automatisch zu einer proportional steigenden Zahl von Mandatsanfragen. Dennoch vergrößert sich damit der Pool an Nutzern, die sich mit Kündigung, Abfindung, Arbeitsvertrag oder Aufhebungsvertrag beschäftigen.

Besonders wirtschaftlich sind Suchanfragen, bei denen der konkrete Konflikt bereits erkennbar ist:

  • Kündigungsschutzklage
  • Abfindung nach Kündigung
  • Aufhebungsvertrag prüfen
  • Betriebsbedingte Kündigung
  • Fristlose Kündigung
  • Kündigung in der Probezeit

Diese Begriffe haben teilweise weniger Suchvolumen als „Anwalt für Arbeitsrecht“, können aber eine höhere Abschlusswahrscheinlichkeit besitzen.

Strafrecht: Hohe Dringlichkeit und überdurchschnittliche Gebote

Im Strafrecht erreichen die zentralen Anwaltskeywords hohe Suchvolumen:

  • „Anwalt für Strafrecht“: 9.900 Suchanfragen
  • „Rechtsanwalt für Strafrecht“: 3.600 Suchanfragen
  • „Strafverteidiger“: 3.600 Suchanfragen
  • „Fachanwalt Strafrecht“: 880 Suchanfragen

Der gewichtete obere Gebotswert liegt mit rund 13,05 Euro über dem der großen anderen Rechtsgebiete. Einzelne Delikts- und Verfahrensbegriffe sind noch wesentlich teurer.

Die Suchintention ist häufig extrem dringend. Betroffene suchen nach einer Hausdurchsuchung, Vorladung, Festnahme, Anklage oder einem Strafbefehl nicht über mehrere Wochen nach allgemeinen Informationen. Sie benötigen kurzfristig eine konkrete Handlungsempfehlung.

Das Strafrecht eignet sich deshalb grundsätzlich gut für Google Ads. Gleichzeitig muss eine Kanzlei Anfragen sehr schnell qualifizieren. Nicht jeder Kontakt führt zu einem wirtschaftlich tragfähigen Mandat, und bei bestimmten Suchbegriffen können Beratungsbedarf und Zahlungsfähigkeit stark auseinanderliegen.


2. Die wichtigsten kommerziellen Keywords

KeywordSuchanfragen/MonatWettbewerbGebotsspanne
anwalt für arbeitsrecht14.800Hoch3,32–12,22 €
anwalt für familienrecht14.800Mittel1,12–5,70 €
anwalt familienrecht12.100Mittel1,27–6,39 €
anwalt für strafrecht9.900Mittel3,63–13,47 €
arbeitsrecht anwalt8.100Hoch3,39–12,57 €
anwalt für verkehrsrecht8.100Hoch2,53–10,31 €
anwalt für erbrecht8.100Mittel1,39–8,79 €
fachanwalt für erbrecht5.400Mittel1,03–6,29 €
scheidungsanwalt4.400Mittel1,87–6,58 €
strafverteidiger3.600Mittel3,43–12,13 €

Die Tabelle macht zwei Dinge deutlich.

Erstens gibt es einen großen Kernmarkt mit monatlich mehreren Tausend Suchanfragen. Zweitens unterscheiden sich die Gebote trotz ähnlicher Suchvolumen erheblich. Eine Suche nach einem Familienrechtsanwalt kann weniger als halb so teuer sein wie eine vergleichbare Suche im Straf- oder Arbeitsrecht.

Für eine überregional tätige Kanzlei kann bereits die Kombination aus Fachgebiet und Anwaltsbegriff ein beträchtliches Reichweitenpotenzial bieten. Regional arbeitende Kanzleien müssen dieses bundesweite Volumen jedoch auf ihr tatsächliches Einzugsgebiet herunterbrechen.


3. Wie teuer sind Google Ads für Anwälte wirklich?

Die häufig zitierte Aussage, dass Anwaltskeywords grundsätzlich 50, 80 oder sogar mehr als 100 Euro pro Klick kosten, wird durch die Analyse nur teilweise bestätigt.

Über die bereinigten kommerziellen Keywords ergibt sich folgende Verteilung der oberen Gebotsschätzungen:

  • Median: 6,72 Euro
  • Volumengewichteter Durchschnitt: 9,09 Euro
  • 75. Perzentil: 10,23 Euro
  • 90. Perzentil: 13,69 Euro
  • 95. Perzentil: 25,22 Euro
  • Maximalwert: 149,98 Euro

Von 767 kommerziellen Keywords mit verfügbaren Gebotsdaten liegen:

  • 214 bei mindestens 10 Euro,
  • 71 bei mindestens 15 Euro,
  • 54 bei mindestens 20 Euro,
  • 21 bei mindestens 50 Euro,
  • sechs bei mindestens 100 Euro.

Die extrem teuren Suchbegriffe repräsentieren zusammen lediglich rund 310 Brutto-Suchanfragen im Monat. Sie sind daher relevant, aber nicht repräsentativ für den gesamten Anwaltsmarkt.

Keywords mit Gebotsschätzungen von mehr als 100 Euro

KeywordSuchanfragen/MonatWettbewerbOberer Gebotswert
steuer fachanwalt20Hoch149,98 €
fachanwalt wirtschaftsstrafrecht40Mittel149,58 €
rechtsanwalt für wirtschaftsstrafrecht10Mittel102,26 €
anwalt 184b20Hoch101,27 €
strafbefreiende selbstanzeige steuerrecht30Mittel101,24 €
wirtschaftsstrafrecht kanzlei110Mittel100,94 €

Dabei handelt es sich um die obere Spanne der vom Keyword Planner geschätzten Gebote für eine Platzierung im oberen Seitenbereich. Sie entspricht nicht automatisch dem tatsächlich zu zahlenden CPC.

Die Daten zeigen aber deutlich, wo besonders hohe wirtschaftliche Erwartungen bestehen: Steuerstrafrecht, Wirtschaftsstrafrecht, spezialisierte Strafverteidigung und bestimmte steuerrechtliche Mandate.

Ein Klickpreis von 100 Euro kann in einem Scheidungsmandat oder einer einfachen Verkehrsangelegenheit kaum tragfähig sein. Bei einer steuerlichen Selbstanzeige, einem umfangreichen Wirtschaftsstrafverfahren oder einem komplexen Unternehmensmandat kann derselbe Klickpreis dagegen wirtschaftlich vertretbar sein.


4. Klickpreis, Conversion Rate und Kosten pro Anfrage

Der Klickpreis allein sagt wenig über die Rentabilität aus. Entscheidend ist, wie viele Klicks zu qualifizierten Anfragen werden.

Die folgende Modellrechnung ist keine Prognose, sondern zeigt den Zusammenhang zwischen CPC und Conversion Rate:

Durchschnittlicher CPCCPL bei 5 %CPL bei 10 %CPL bei 15 %
6 €120 €60 €40 €
10 €200 €100 €67 €
15 €300 €150 €100 €
50 €1.000 €500 €333 €

Eine Kanzlei, die zehn Euro pro Klick bezahlt und aus zehn Klicks eine Anfrage gewinnt, erreicht rechnerisch einen Leadpreis (CPL) von 100 Euro. Wird nur aus 20 Klicks eine Anfrage, verdoppeln sich die Kosten auf 200 Euro.

Danach entscheidet die Mandatsannahmequote. Werden beispielsweise nur 30 Prozent der Anfragen zu Mandanten, entspricht ein Leadpreis von 150 Euro bereits Akquisitionskosten von durchschnittlich 500 Euro pro gewonnenem Mandat.

Die zentrale Steuerungsgröße sollte deshalb nicht der CPC sein, sondern:

Werbekosten pro tatsächlich angenommenem und wirtschaftlich relevantem Mandat.


5. Informationssuchen und Mandatssuchen müssen getrennt werden

Das gesamte Keywordset erreicht ein rechnerisches Brutto-Suchvolumen von mehr als zwei Millionen Suchanfragen pro Monat. Ein erheblicher Teil davon entfällt jedoch auf Begriffe wie:

  • Kündigungsrecht Arbeitnehmer
  • Erbschaftssteuer
  • Freibeträge Erbschaftssteuer
  • Berliner Testament
  • Kosten einer Scheidung
  • Pflichtteil beim Erben
  • Arbeitsvertrag
  • Abfindung

Diese Suchanfragen können zu einem Mandat führen, befinden sich aber oft noch in einer frühen Informationsphase. Wer nach „Erbschaftssteuer Freibeträge“ sucht, möchte möglicherweise lediglich einen Betrag nachschlagen. Wer dagegen „Fachanwalt für Erbrecht in der Nähe“ eingibt, signalisiert eine wesentlich konkretere Beauftragungsabsicht.

Für die Marktbetrachtung sollten daher mindestens drei Ebenen unterschieden werden:

Unmittelbare Anwaltsnachfrage

Beispiele:

  • Anwalt für Arbeitsrecht
  • Strafverteidiger
  • Fachanwalt für Erbrecht
  • Scheidungsanwalt
  • Anwalt Verkehrsrecht

Diese Suchbegriffe haben eine hohe kommerzielle Intention und sollten den Kern der Kampagne bilden.

Problembezogene Nachfrage

Beispiele:

  • Kündigungsschutzklage
  • Abfindung nach Kündigung
  • Strafbefehl erhalten
  • Pflichtteil einfordern
  • Bußgeldbescheid Einspruch
  • Scheidung einreichen

Hier ist das Problem bereits konkret, aber der Nutzer nennt noch keinen Anwalt. Diese Keywords können sehr wertvoll sein, benötigen jedoch eine exakt auf das Problem ausgerichtete Ansprache.

Allgemeine Informationsnachfrage

Beispiele:

  • Erbschaftssteuer Freibeträge
  • Kosten einer Scheidung
  • Kündigungsfrist Arbeitnehmer
  • Arbeitsvertrag befristet
  • Gesetzliche Erbfolge

Diese Begriffe können große Reichweite erzeugen, sind aber häufig deutlich schwächer konvertierend. Sie sollten nicht mit demselben Gebot und Budget wie eindeutige Anwaltsanfragen behandelt werden.


6. Entwicklung der Nachfrage

Über das gesamte bereinigte kommerzielle Keywordportfolio zeigt sich eine erkennbare Saisonalität.

Das durchschnittliche monatliche Brutto-Suchvolumen liegt bei rund 563.000 Suchanfragen. Im März steigt der Wert auf etwa 710.000 und liegt damit rund 26 Prozent über dem Monatsdurchschnitt. Der Dezember liegt mit rund 487.000 ungefähr 13 Prozent darunter.

Damit liegt das Volumen im März rund 46 Prozent über dem Dezemberwert.

Eine mögliche Erklärung ist die Häufung arbeits-, familien- und steuerrechtlicher Fragestellungen zu Beginn des Jahres. Die Daten sollten jedoch nicht so interpretiert werden, dass jedes Rechtsgebiet im März automatisch seinen Jahreshöchststand erreicht. Die Entwicklung muss auf Kampagnen- und Rechtsgebietsebene geprüft werden.

Für Kanzleien ergeben sich daraus zwei Konsequenzen:

Erstens sollte das Jahresbudget nicht starr durch zwölf geteilt werden. Zweitens sollten Budgetgrenzen in Phasen steigender Nachfrage rechtzeitig angepasst werden, damit eine Kampagne nicht gerade in einem besonders nachfragestarken Monat frühzeitig eingeschränkt wird.


7. Lokale Suchintention wird wichtiger

Die Keywordanalyse enthält keine systematische Auswahl aus Kombinationen mit deutschen Städten. Eine belastbare Aussage zu einzelnen Städten oder Regionen ist daher auf Basis dieses Datensatzes nicht möglich.

Sehr deutlich erkennbar ist jedoch die wachsende Bedeutung von Suchbegriffen mit „in der Nähe“ oder „in meiner Nähe“.

Beispiele aus der Analyse:

  • „Fachanwalt für Erbrecht in der Nähe“: 1.000 Suchanfragen, rund 171 Prozent Wachstum
  • „Anwalt für Erbrecht in der Nähe“: 2.400 Suchanfragen, rund 81 Prozent Wachstum
  • „Familienrecht Anwalt in der Nähe“: 1.600 Suchanfragen, rund 60 Prozent Wachstum
  • „Verkehrsanwalt in der Nähe“: 390 Suchanfragen, rund 86 Prozent Wachstum

Die exakten Wachstumsraten einzelner kleinerer Keywords können wegen der gerundeten Keyword-Planner-Werte stark schwanken. Die Richtung ist dennoch relevant: Nutzer kombinieren die fachliche Spezialisierung zunehmend mit räumlicher Nähe.

Für regional tätige Kanzleien bedeutet das, dass eine bundesweite Keywordanalyse nur der erste Schritt sein kann. Das reale Marktpotenzial muss zusätzlich für Bundesland, Stadt, Landkreis und Einzugsradius ermittelt werden.


8. Welche Rechtsgebiete eignen sich besonders gut?

Volumenorientierte Rechtsgebiete

Familienrecht, Arbeitsrecht, Verkehrsrecht und Erbrecht bieten die größte skalierbare Nachfrage. Sie eignen sich für Kanzleien, die regelmäßig neue Mandate bearbeiten können und über standardisierte Prozesse zur schnellen Kontaktaufnahme verfügen.

Der Vorteil ist die große Reichweite. Der Nachteil besteht in einer teilweise erheblichen Anzahl nicht passender oder wirtschaftlich schwacher Anfragen.

Dringlichkeitsorientierte Rechtsgebiete

Strafrecht, Verkehrsrecht und Teile des Arbeitsrechts profitieren von zeitkritischen Situationen. Nutzer müssen schnell handeln, etwa nach einer Vorladung, einem Strafbefehl, einer Kündigung oder einem drohenden Fahrverbot.

Hier können hohe Conversion Rates erreicht werden. Voraussetzung ist, dass die Kanzlei kurzfristig erreichbar ist und Anfragen schnell bearbeiten kann.

Wertorientierte Rechtsgebiete

Steuerrecht, Steuerstrafrecht und Wirtschaftsstrafrecht haben deutlich weniger Volumen, aber erheblich höhere Gebote. Der Markt ist weniger für eine breite Leadgenerierung als für die gezielte Gewinnung einzelner, hochpreisiger Mandate geeignet.

Eine einzige neue Mandatsbeziehung kann einen hohen Werbeaufwand rechtfertigen. Gleichzeitig wirken sich unpräzise Keywords und schlechte Qualifizierung besonders teuer aus.

Spezialisierte Wachstumsmärkte

IT-Recht und Datenschutzrecht erreichen noch nicht das Volumen der klassischen Rechtsgebiete. Einzelne Suchbegriffe weisen jedoch Gebotsschätzungen von 20 Euro und mehr auf.

Die Nachfrage kommt sowohl von Privatpersonen als auch von Unternehmen. Dadurch entstehen sehr unterschiedliche Mandatswerte. B2B- und B2C-Suchanfragen sollten deshalb nicht in derselben Kampagne vermischt werden.


9. Konsequenzen für die Kampagnenstruktur

Die Marktanalyse spricht klar gegen eine einzige Kampagne mit sämtlichen Anwaltskeywords. Die Unterschiede bei Suchintention, Klickpreis, Mandatswert und Dringlichkeit sind dafür zu groß.

Rechtsgebiete separat steuern

Arbeitsrecht, Familienrecht, Strafrecht, Verkehrsrecht und Erbrecht benötigen eigene Kampagnen. Nur so lassen sich Budgets, Gebote und wirtschaftliche Zielwerte getrennt bewerten.

Allgemeine und konkrete Suchanfragen trennen

„Anwalt für Arbeitsrecht“ sollte nicht gemeinsam mit „Kündigungsschutzklage nach betriebsbedingter Kündigung“ ausgewertet werden. Das erste Keyword beschreibt das Rechtsgebiet, das zweite einen konkreten Fall.

Problembezogene Keywords erlauben häufig eine präzisere Ansprache und eine bessere Vorqualifizierung.

Hochpreisige Spezialbegriffe isolieren

Steuerstrafrecht, Wirtschaftsstrafrecht, Kapitalmarktrecht und spezielle Sexualstrafrechtsbegriffe dürfen nicht unkontrolliert in allgemeinen Kampagnen mitlaufen. Schon wenige Klicks können einen erheblichen Teil des Tagesbudgets verbrauchen.

Informationsbegriffe kontrollieren

Begriffe rund um Definitionen, Gesetze, Muster, Rechner, Studium, Ausbildung und kostenlose Vorlagen verursachen leicht hohe Reichweite ohne entsprechende Mandatsqualität.

Sie sollten ausgeschlossen, stark begrenzt oder in einer separaten Contentstrategie eingesetzt werden.

Lokale Nachfrage gesondert abbilden

Suchanfragen mit Städten, Stadtteilen, Landkreisen und „in der Nähe“ sollten getrennt von rein fachlichen Keywords ausgewertet werden. Bei lokalen Kampagnen ist nicht nur entscheidend, wo sich der Nutzer befindet, sondern auch, welchen Ort er ausdrücklich in die Suche eingibt.


10. Risiken im Markt

Zu breite Keywordabdeckung

Eine breite Einbuchung von Begriffen wie „Arbeitsrecht“, „Erbrecht“ oder „Familienrecht“ kann große Mengen an Informationssuchen auslösen. Das sichtbare Suchvolumen ist attraktiv, aber nicht mit entsprechend vielen Mandaten gleichzusetzen.

Fehlende Bewertung der Mandatsqualität

Eine Kampagne kann auf dem Papier günstige Leads liefern und trotzdem unwirtschaftlich sein. Entscheidend ist, ob die Anfragen in das gewünschte Rechtsgebiet fallen, angenommen werden und ausreichenden Umsatz erzeugen.

Überbewertung einzelner CPC-Schätzungen

Die obere Gebotsspanne ist kein garantierter Klickpreis. Sie zeigt, wie aggressiv der Markt in bestimmten Auktionen sein kann. Tatsächliche Kosten hängen unter anderem von Standort, Anzeigenqualität, Wettbewerb, Tageszeit und Suchanfrage ab.

Vermischung unterschiedlicher Mandatswerte

Eine einfache Erstberatung und ein umfangreiches wirtschaftsstrafrechtliches Verfahren können nicht mit demselben Ziel-CPA bewertet werden. Einheitliche Zielwerte über eine gesamte Kanzlei hinweg führen deshalb häufig zu falschen Optimierungsentscheidungen.

Begrenzte regionale Übertragbarkeit

Das Keywordportfolio bildet bundesweite Nachfrage ab. Eine Kanzlei in einer kleineren Stadt kann daraus nicht unmittelbar ihr lokales Klick- oder Leadpotenzial ableiten. Dafür ist eine zusätzliche regionale Keywordanalyse erforderlich.


Fazit

Der deutsche Google-Ads-Markt für Anwälte ist groß, differenziert und grundsätzlich attraktiv. Das analysierte Keywordportfolio enthält rund 932 kommerziell relevante Anwaltsbegriffe mit einem Brutto-Suchvolumen von ungefähr 559.450 Suchanfragen pro Monat.

Der Markt wird von fünf großen Rechtsgebieten geprägt:

  1. Familienrecht und Scheidung
  2. Erbrecht
  3. Verkehrsrecht
  4. Arbeitsrecht
  5. Strafrecht

Die typischen oberen Gebotsschätzungen liegen bei den meisten relevanten Keywords zwischen etwa sechs und 14 Euro. Klickpreise von 50 oder sogar 100 Euro kommen vor, konzentrieren sich jedoch auf wenige hoch spezialisierte Bereiche wie Steuerrecht, Steuerstrafrecht und Wirtschaftsstrafrecht.

Damit ist die zentrale Frage nicht, ob Google Ads für Anwälte teuer ist. Entscheidend ist, welcher Klick für welches Mandat eingekauft wird.

Eine Kanzlei, die allgemeine Informationssuchen, konkrete Rechtsprobleme und unmittelbare Anwaltsanfragen gleich behandelt, wird einen erheblichen Teil ihres Budgets verschwenden. Eine Kanzlei, die Rechtsgebiete, Falltypen, Dringlichkeit und Mandatswerte separat steuert, kann dagegen auch in wettbewerbsintensiven Märkten profitabel neue Mandanten gewinnen.

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